www.bingen.de

Das Kreuz am Landgrabenweg

Das Kreuz an der „Unteren Pforte“, wie es in den alten Überlieferungen genannt wird, wurde im Jahre 1748 von Johann Heinrich Gresch errichtet. Er war der Bruder des Schultheißen Johann Gresch und lebte von 1713 – 1760. Auf dem Sockel ist im oberen Bereich ein Wappenschild angebracht. Auf dem Sockel war folgende Inschrift:

ZEH * O * MENSCH * DEINEN
JESUM * ANGEDENK * WAS
ER * VOR * DICH * HAT * GETHN

Im Jahre 1844 wurde das Kreuz von Joseph Roth renoviert, was auf dem unteren Teil des senkrechten Kreuzbalkens vermerkt ist. Joseph Roth war Bäcker und wurde 1796 in Büdesheim geboren und starb 1880 in Dromersheim. Seine Mutter, Maria Barbara Roth geb. Gresch, war eine Nichte von Johann Heinrich Gresch.
Der Bäcker Johann Weis ließ das Kreuz 1927 renovieren. Er lebte von 1856 – 1937. Sein Enkel Franz Weis und dessen Tochter Maria Weis haben dieses Kreuz in den letzten Jahren gepflegt und unterhalten.
Aus Aufzeichnungen von Frau Agnes Heinz können wir entnehmen, dass links um die Ecke früher ein kleines Kreuz, ähnlich wie auf dem Friedhof die alten kleinen Kreuze, war. Man nannte den Ort am Kreuzbörnchen. Auch Müller berichtet in seiner Chronik von Dromersheim von diesem Kreuz, bei dem eine kleine Quelle in den Weinbergen war (S. 102). Heinz berichtet weiter, dass in den 30er Jahren die Flur-(Bitt-) Prozession an diesem Kreuz vorbei ging und am großen Kreuz (Landgraben) der Wettersegen gegeben wurde.
Auch ich kann mich noch daran erinnern, dass bei Flurprozessionen an diesem Kreuz der Wettersegen erteilt wurde, an das kleine Kreuz habe ich keine Erinnerung mehr.
Im Herbst 2009 erlitt das Kreuz einen Sturmschaden durch die dahinter stehenden Bäume. Die Stadt Bingen ließ das Kreuz von dem Steinbildhauermeister U. Groß aus Ingelheim renovieren. Das Kreuz wurde erneuert und der Sockel bearbeitetet: Dabei wurden auch die Inschriften erneuert, da sie total verwittert waren. Auf dem Sockel ist am oberen Rand eine Ausbuchtung, die wahrscheinlich ein Wappenschild darstellt. Ob ein Wappen darin angebracht war ist weder zu erkennen noch aus Überlieferungen bekannt. Man hat das Schild deshalb bei der Restaurierung unbearbeitet gelassen. Ver-mutlich könnte ein Wappen des Stifters Gresch hier angebracht gewesen sein. Aber bei den hiesigen Familien Gresch ist kein Wappen bekannt. Roland Gresch, ein gebürtiger Dromersheimer, hat Nachforschungen über seine Familie angestellt, und dabei erfahren, dass ein Gresch 1698 aus der Schweiz nach Dromersheim kam. Durch einen Kontakt mit einer in der Schweiz lebenden Familie Gresch wurde ihm bestätigt, dass in der Schweiz ein Familien-wappen bekannt sei (auf goldenem Grund ein rotes Rad mit einem aufstehenden Kreuz).
Unterhalb dieses Schildes hat man den Stifter J.H. Gresch mit der Jahreszahl 1748 eingraviert. Auf dem unteren Teil des Sockels wurde die Inschrift in der alten Form aus der Beschreibung von Pfarrer Wehrheim angebracht. Dabei ist der erste Buchstabe ein S in Spiegelschrift.